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KLOSTER-BAUMGARTEN, GARNSPINNEREI, KULTURINSEL
Das Kammgarn-Areal hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wichtige Daten und Ereignisse im Schnelldurchlauf.

Text: Jürg Odermatt, Bilder: Stadtarchiv Schaffhausen
1049 Gründung des Klosters zu Allerheiligen

1064 Weihung des ersten Münsters. Im Gebiet zwischen dem Gerberbach und dem Kloster zu Allerheiligen – also auch dort, wo sich heute das Kulturzentrum Kammgarn befindet – erstreckten sich die klösterlichen Obst- und Vorgärten. Der Name «Baumgartenstrasse» erinnert noch daran.

1529 Säkularisierung des Klosters zu Allerheiligen im Zug der Reformation.

1865 Vor dem Bau der Kammgarnspinnerei standen auf dem
Areal verschiedene kleinere Gebäude: Werkstätten, Magazine,
Stallungen und die Wohnung des Münsterpfarrers. Der Baumgarten lag in der Mitte und war ein beliebter Begegnungsort der Schaffhauser. In diesem Jahr (und 1869) kaufte der aus Breslau stammende Rudolf Schoeller die Liegenschaften und begann mit dem Bau der Kammgarnspinnerei, der ersten Fabrik dieser Art in der Schweiz. Die Nähe zum entstehenden Moserdamm dürfte die Standortwahl massgeblich beeinflusst haben.

1866 Am 9. April wurde das unter dem Namen Moserdamm bekannt werdende Bauwerk als grösstes und aus technischer Sicht kühnstes Kraftwerk der Schweiz eingeweiht.

1867 nahm die Kammgarnspinnerei (zuerst unter dem Namen Chessex, Hoessly, Lang & Weidlich) ihren Betrieb auf. 1886/87 wurde das heutige Gebäude an der Baumgartenstrasse errichtet.

1889 hatte sich die Kammgarnspinnerei bereits zum grössten Arbeitgeber der Stadt entwickelt: 409 Personen arbeiteten dort, 183 Männer und 226 Frauen.

1912 entstand das heutige Gebäude an der Klosterstrasse als eine der ersten Eisenbetonkonstruktionen der Schweiz.

1944 Anlässlich der Bombardierung Schaffhausens vom 1. April wurde auch die Kammgarnspinnerei in Mitleidenschaft gezogen: Geschätzt 12 Brandbomben fielen auf das Fabrikareal. Sie trafen vor allem den Trakt Baumgartenstrasse: Dachstock und Dachboden wurden vollständig zerstört. Zur Zeit der Bombardierung herrschte Arbeitsruhe. Menschen kamen deshalb nicht zu Schaden.

1979 Ende Jahr stellte die Schoeller-Textil AG ihren Betrieb in Schaffhausen ein, «nach einer über hundertjährigen Ära der Industrialisierung eine Zäsur, welche mit Blick auf die Schaffhauser Altstadt einem städtebaulich historischen Moment gleichkommt», so der Schaffhauser Stadtrat. Die Stadt hatte bereits vor der Schliessung der Kammgarnspinnerei mit der Schoeller-Textil AG Verhandlungen geführt mit dem Ziel, den Betrieb ins Herblingertal zu verlegen. Nun bot sich die Chance, die Liegenschaft zu kaufen.

1981 Anlässlich einer öffentlichen Kulturdiskussion im «Fass»-Keller schlug ein Teilnehmer vor, jungen, alternativen Kulturschaffenden die leer stehende Kammgarnfabrik zur Verfügung zu stellen.

1982 Die Stadt setzte sich gegen private Konkurrenten durch und konnte das nahezu 10 000 m2 umfassende Kammgarnareal inklusive Bauten für 5 Millionen Franken kaufen (ohne dass ein Nutzungskonzept vorgelegen hätte), nachdem die Schoeller-Textil AG anfänglich das Doppelte verlangt hatte. Die Stimmbürger stimmten dem Kredit am 6. Juni mit 8327 Ja zu 6144 Nein zu. «Damit ist nun der Weg frei für einen Ideenwettbewerb über die Zukunft des ideal gelegenen Geländes am südlichen Rand der Altstadt.» (saz, 7.6.82)

1984 Unmittelbar nach der Abstimmung hatte Urs Raussmüller Stadtpräsident Felix Schwank angefragt, ob in den leer stehenden Fabrikbauten nicht Raum für moderne Kunst zur Verfügung gestellt werden könnte. Eine Stiftung wurde gegründet, und der Grosse Stadtrat sprach einen Kredit, mit dem die Räume an der Klosterstrasse renoviert und für die Einrichtung der Sammlung Crex vorbereitet wurden. Am 5. Mai konnten die Hallen für Neue Kunst in Gegenwart der ausgestellten Künstler Carl Andre, Robert Ryman, Sol Le Witt, Mario Merz und Jannis Kounellis eröffnet werden. – Genau eine Woche zuvor (und nach einer Entrümpelungsaktion in den ehemaligen Fabrikhallen) hatte im Trakt Baumgartenstrasse die Vernissage einer Gruppe von Schaffhauser Kunstschaffenden stattgefunden, die erstmals in der Kammgarn Zeichnungen, Bilder, Objekte, Fotografien zeigten.

Im Frühjahr 1984 hatte zudem die TapTab-Vorläuferorganisation «Brot und Spiele» im oberen Teil des heutigen TapTab-Musikraums begonnen, Konzerte zu veranstalten. Zur Premiere spielte die New Yorker Band Turbo Hi-Dramatics. Laut Ohrenzeugen war es sehr, sehr laut.

1985 Die Kammgarn-Engagierten Dani Leu und Hanns H. Aebli wurden bei Felix Schwank vorstellig: «Ihr könnt die Hallen haben: aber nur provisorisch. Dazu bekommt ihr 80 000 Franken für den Ausbau, und ihr sorgt für Ordnung.» So sprach der damalige Stadtpräsident. Eine Organisatorengruppe mit Dani Leu, Edi Schwyn, Marlies Wunderli, Bruno Merlo, Hanns H. Aebli, Ulrich Witzig und Stephan Ramming begann, unter dem Namen KaKoo das 1. und 2. Stockwerk des Kammgarntrakts Baumgartenstrasse für Konzerte und weitere kulturelle Anlässe zu nutzen. Im Sommerhalbjahr fanden während der nächsten Jahre pro Monat zwei bis vier Veranstaltungen statt (da die Hallen nicht beheizt werden konnten, mussten sie in der Konzerthauptsaison
geschlossen bleiben).

Im Juli konnten überdies im Kammgarn-Keller 6 Übungsräume und Metin Demirals Tonstudio eingerichtet werden. Zeitweise übten dort 25 Bands. Auch illegale Konzerte, Bars und erste Technopartys fanden in den Kellern und dem lang gezogenen Gang statt, an Weihnachten spielten jeweils lokale Punk- und Indiebands. – Am 28. August konnte der neu gegründete Verein Vebikus einen Raum für Ausstellungszwecke einweihen (den oberen Teil des heutigen TapTab Musikraums).

Ab 31. August fand in der Kammgarn im Rahmen des «Jahrs der Jugend» ein Kulturmonat statt. Mit einem Programm quer durch die Genres führten die Organisatoren des «Herbströcheln» ihr eigenes Motto «Das Frühlingserwachen, der Idealismus, alles ist tot, es lebe das Herbströcheln» ad absurdum. Zwei tanzende Skelette auf dem Plakat wurden ebenso zum Stadtgespräch wie massive, organisierte Schlägereien in der Folge einer Punk/Oi!- Konzertnacht. Zum grösseren Teil zugereiste neofaschistische Schlägertrupps – Schätzungen schwankten zwischen 40 und 100 Personen – veranstalteten in der ganzen Altstadt regelrechte Treibjagden und gingen mit Baseballkeulen, Dachlatten sowie Tränengas auf die Punks los. «Es spielten sich Szenen wie im Krieg ab.» (SN, 24.9.85)
1988 Der bereits anlässlich des Kammgarn-Kaufs von der Stadt versprochene Ideenwettbewerb zur Nutzung des Areals wurde endlich lanciert und löste einigen Wirbel aus: «Den grössten Stein des Anstosses stellt für die KaKoo (...) die Tatsache dar, dass der von ihnen benützte Kammgarnteil – im Gegensatz zu den Hallen für Neue Kunst – im Wettbewerb der ‹freien Nutzung› überlassen ist. Im Klartext: Die Nutzung kann, muss aber nicht kultureller Art sein.» (SN, 14.9.98). Die KaKoo reagierte unter anderem mit dem 2. Mini-KiK, einem Kulturfestival unter dem Motto «Die Kammgarn lebt – belebt die Kammgarn». Eine Umfrage anlässlich der Ausstellung der eingegangenen Ideen des Wettbewerbs ergab zudem, dass eine Mehrheit eine kulturelle Nutzung der Kammgarn befürwortete.

1990 fand das erste Schaffhauser Jazzfestival in der Kammgarn statt.

1990 beschloss der Grosse Stadtrat, die beiden Fabriktrakte zu erhalten und in Koordination mit den bisherigen Nutzern und weiteren Interessierten definitiv kulturell zu nutzen. Dafür sollte die notwendige Infrastruktur bereitgestellt werden.

1992 wurde am 17. Oktober der Förderverein «Contempo» gegründet, der die kulturelle Nutzung der Kammgarn finanziell und ideell unterstützte.

1994 kam ein Projekt vors Volk, das die Sanierung des gesamten Kammgarntrakts Baumgartenstrasse zur erweiterten Nutzung als kulturelles Zentrum vorsah. Unter einem Dach sollten eine grosse Aktionshalle (KiK) und ein Clubraum (TapTab) für Konzerte und Theater, ferner Übungsräume für die Musikschule und Rockbands, vermietbare Künstlerateliers, Ausstellungsflächen für Gegenwartskunst (Vebikus) sowie die Industrieabteilung und der Kulturgüterschutzraum des Museums zu Allerheiligen eingerichtet werden. Nach einem Abstimmungskampf, «der namentlich von den Kammgarn-Benützern mit grossem Engagement, mit Verve und überdurchschnittlichem Einsatz bestritten wurde» (SN, 16.5.94), und obwohl lediglich der rechte Rand des politischen Spektrums und der «Schaffhauser Bock» im Vorfeld offen gegen das Projekt polemisiert hatten, scheiterte der 5,5 Millionen teure Ausbau der Kammgarn an der Urne mit 7109 Nein gegen 6344 Ja – am 15. Mai, demselben Tag, an dem der FC Schaffhausen gegen den GC den Cupfinal verlor. Matthias Gnädinger sprach von «7109 Schafseckeln», die es in dieser Stadt gebe.

Eine spontane Demo enttäuschter junger Leute führte Richtung Villa Rammersbühl (mit dem «Bock» hatte man den Sündenbock für die Niederlage festgemacht). «Das Ungefähr-Vage steht nun als Antwort auf die Frage, was mit der Kammgarn auf längere Sicht geschehen soll. Dass aus den Reihen der Autopartei, die als einzige politische Kraft Opposition anmeldete, nichts Brauchbares verlauten würde, war abzusehen. Von einem ‹Fonds äufnen, abreissen und neu bauen› ist da die verschwurbelte Rede.» (WoZ, 20.5.94).

Die Betreiber liessen auch nach der Niederlage nicht locker und bauten während des Sommers (immer noch im 2. Stockwerk) eine Beiz, die zur Saisoneröffnung im Herbst in Betrieb genommen wurde. Ausserdem ermöglichte eine provisorische Gasheizung nun einen Ganzjahresbetrieb der «alten» Aktionshalle. – Bereits am 12. September konnte eine Petition für ein zentrales Veranstaltungszentrum in der Kammgarn mit 2000 Unterschriften (vor allem von Jugendlichen) eingereicht werden.

1995 entwickelte eine Arbeitsgruppe der interessierten Protagonisten ein Modell für einen zu grossen Teilen privat getragenen Kulturbetrieb in der Kammgarn. Am 24. Juni wurde dem Stadtrat schriftlich das Gesuch unterbreitet, die Räume im UG, EG und 1. OG des Trakts Baumgartenstrasse langfristig zu vermieten. Am 24. August formierten sich die Initianten einer kulturellen Nutzung der Kammgarn (KiK, Vebikus, TapTab und weitere Genossenschafter) zur IG Kammgarn. Eigentümerin der Liegenschaft blieb die Stadt, die auch für die Instandhaltung der Gebäudehülle verantwortlich war (und ist).

1996 Am Montag, 9. September, startete der Umbau. Am Wochenende zuvor war dieser «Spatenstich» mit einem grossen Fest gefeiert worden: Auf dem Fronwagplatz tummelte sich auf einer Bühne Prominenz von Irène Schweizer, Victor Giaccobo bis Dieter Wiesmann, im Erdgeschoss der Kammgarn wurden später neben den üblicheren Festivitäten Hämmer verteilt, «mit welchen die Festbesucher/innen auf dem alten Boden herumklopfen durften, was das Zeug hielt» (saz, 9.9.96). Dieweil rhymte der designierte Stadtpräsident Marcel Wenger in seiner Ansprache:
«... de Stadtroot meint zum guete Ändi, dass me – statt stüüret – besser spändi» (SN, 9.9.96). Zu diesem Zeitpunkt fehlten dem weitgehend privat finanzierten 1,2-Millionen-Projekt noch immer 250 000 Franken.

1997 Mitten in den Umbauarbeiten nahm Schaffhausen am 31. Mai anlässlich des «Ausglühens» Abschied von der «alten» Kammgarn im 2. Stockwerk. Auch wenn der Umbau schliesslich teurer wurde als die ursprünglich projektierten 800 000 Franken, kam er nur zustande dank vielen unentgeltlich arbeitenden Handwerkern, entgegenkommenden Firmen und weiteren Helfern. Es entstanden die Aktionshalle, der Ausstellungsraum des Forums Vebikus und der Clubraum des TapTab-Musikvereins – das Kulturzentrum Kammgarn in seiner heutigen Form. Der TapTab-Musikraum war als Erstes fertig und startete bereits am 19. September mit einem Konzert von Klaus Beyer.

Das Kulturzentrum als Ganzes feierte am 25. Oktober 1997 mit einer grossen Party, der Waidele Session Band in der Aktionshalle, Bildern und Multimedia-Installationen im Forum Vebikus, dem «Gschwellti»-Teller von Chef de Cuisine Andi Bossert in der von Claudio Peruzzo geführten Kammgarnbeiz und der Crème de la crème einheimischer Bands im TapTab. «Die sentimentalen Gefühle sind rasch verflogen: Wer die alten Räumlichkeiten Revue passieren lässt und sie mit den neuen vergleicht, findet nun beides: Die grosszügige Fabrikatmosphäre der ‹alternativen› Zeit vereinigt sich nun mit einer schicken und etablierten Kulturhalle.» (SN, 27.10.97).

2001 Die Festivitäten zu SH500 führten im Kammgarnhof zu Gedränge vor der riesigen Openair-Bühne, wo Funky Brotherhood vor rund 2500 Leuten ein nachmitternächtliches Konzert spielten. Dieser Anlass gab in Kombination mit der gesperrten Rheinuferstrasse eine Ahnung, welchen Quantensprung eine Erweiterung des Hofs bis zum Rhein bedeuten könnte.

2002 erhielten die Kammgarnbetreiber KiK, TapTab Musikverein und Vebikus den Georg-Fischer-Kulturpreis «in Anerkennung ihrer grossen Leistungen für das kulturelle Leben in der Region Schaffhausen». «Während die Kammgarn früher ein Gebäudekomplex gewesen sei, mit dem man nichts anzufangen wusste, sei sie heute eine Kulturinstitution mit einzigartiger Besucherdurchmischung » (SN, 20.8.02).

2004 Die bereits seit Mitte 2000 im 4. Stockwerk des Kammgarntrakts eingemietete IWC kann diese Räumlichkeiten für 1,05 Millionen Franken kaufen.

2005 FDP-Präsident Martin Egger reichte Mitte Juli eine Motion zur Umnutzung der Hallen für Neue Kunst ein: «Er will die Räume in der Kammgarn in Büroflächen verwandeln, an denen es in Schaffhausen mangelt. Obschon die Hallen nicht in allen Kreisen populär sind, hat die Büro-statt-Beuys-Idee weitherum Kopfschütteln ausgelöst. Kulturreferent Thomas Feurer reagierte empört, alt Stadtpräsident Felix Schwank bezeichnete die Idee seines Parteikollegen als ‹Kalberei›.» (NZZ, 18.7.05)

2007 Das Kulturzentrum Kammgarn feiert seinen 10. Geburtstag in der heutigen Form mit einem offiziellen Festakt.

2011 Anlässlich des Stadtfestes Schaffusia'11 finden sich rund 3'500 Zuschauer zum Konzert von Stefanie Heinzmann auf dem Kammgarn-Hof ein.

2012 Das Kulturzentrum Kammgarn feiert sein 15-jähriges Bestehen vom Mittwoch, 24. bis Sonntag, 28. Oktober mit einem reichhaltigen Programm. Die Eclipse Studios produzierten hierfür den Jubiläums-Film.
MITARBEITER/IN SECURITY
Der gemeinsame Security-Dienst von Kammgarn und Tap Tab Musikraum in Schaffhausen sucht per sofort oder nach Vereinbarung Verstärkung an der Einlasskontrolle, hauptsächlich an den Wochenenden. Alle weiteren Infos im PDF.
Beizer / Mitglied Leitungsteam (m/w)
Als Beizer und Mitglied des Leitungsteams KiK (Kultur im Kammgarn) erwartet dich ein spannendes, auch mal hektisches, abwechslungsreiches Arbeitsumfeld. Alle weiteren Infos im pdf.